Der britische Little Willie war ein Prototyp, der die Entwicklung von Panzern einleitete und als Grundstein für die bekannten britischen Mark Tanks gilt.
Entwicklung und Einsatz:
Als die Westfront Ende 1914, Anfang 1915 erstarrte und aus dem Bewegungskrieg ein Stellungskrieg wurde, entschied das neu gegründete britische Landships Committee unter der Leitung von Winston Churchill, dass ein gepanzertes Fahrzeug entwickelt werden muss um die deutschen Stellungen zu durchbrechen.
Zurückgegriffen wurde dabei auf landwirtschaftliche Maschinen, da diese über einen Kettenantrieb verfügten und auch in schwierigem Gelände fahren konnten. Als einer der ersten Prototypen wurde so der Killen-Strait Tractor entwickelt, der den Anforderungen jedoch nicht genügte. Daraufhin wurde am 29. Juli 1915 Sir William Tritton, Direktor der Landmaschinenfabrik William Foster & Co. Ltd beauftragt ein entsprechend Gefährt zu bauen. Tritton griff dabei auf ein bereits bestehendes Konzept des Chefentwickler William Rigby zurück, verlängerte bei diesem jedoch die Ketten indem er sieben statt bisher vier Laufrollen benutzte. Als Fahrwerk diente eines der Firma Bullock Creeping Grip Tractor Company aus den USA. Dabei wurde noch die Aufhängung entsprechend angepasst.
Um die Steuerung zu erleichtern wurden zudem zwei nachlaufende Räder montiert, die bei einer leichten Kurve zum Steuern dienten und nicht wie sonst über die Bremse laufen musste. Am 9. September 1915 wurde der Prototyp unter der Bezeichnung Number 1 Lincoln Machine das erste mal getestet.
Nach dem ersten Test zeigte sich die Schwäche in den flachen Ketten, die beim Drehen des Fahrzeuges zuviel Boden aufschoben und sich damit selbst blockierten. Nach der Behebung fiel auf, dass beim Überqueren eines Grabens die Kettenglieder zu tief hingen und sich verklemmten. Durch den Einsatz von gegossenen Kettengliedern mit integrierten Mittelführungszähnen konnte dieses Problem schließlich auch behoben werden.
Als Motor wurde ein 105 PS starker Daimler Motor im Heck verbaut, dessen Treibstoffzufuhr über die über ihm liegenden Tanks mittels der Schwerkraft funktionierte. Im vorderen Bereich saßen zwei Fahrer, der eine bediente das Steuerrad, die Kupplung, das vordere Getriebe und den Gashebel, der andere die Bremsen. Im hinteren Bereich saßen ebenfalls zwei Bediener des Getriebes. Dazwischen waren die beiden Bediener der Bewaffnung untergebracht.
Als Bewaffnung war eine schwere Vickers 2-Pfünder Kanone sowie sechs Madsen Maschinengewehre gedacht. Die Maschinengewehre sollten dabei in einem nicht schwenkbaren Turm untergebracht werden. Für die Panzerung waren 10mm dicke Dampfkesselplatten angedacht, erst in den späteren Panzern wurde Panzerstahl verwendet.
Nach weiteren Tests entscheiden sowohl Tritton als auch sein Berater Lieutenant Walter Gordon Wilson, dass das Gefährt nicht ausreichend sei. Am 17. September 1915 wurde das Projekt zurück gestellt und mit den Arbeiten an einem Nachfolgemodell gearbeitet, was zu dem Mark I Tank führte. Zwar wurde noch zwischenzeitlich am Little Willie weitergearbeitet, nachdem sich der Mark I Panzer jedoch als Fronttauglich erwies, wurde das Projekt gänzlich eingestellt.
Der Prototyp überstand den ersten Weltkrieg und konnte im zweiten Weltkrieg 1940 vor dem Verschrotten gerettet werden, als Großbritannien dringend Rohstoffe für die Kriegswirtschaft benötigte. Das Fahrzeug steht heute im Bovington Tank Museum, wobei das Innenleben bereits ausgebaut wurde.
Der Beiname Little Willie stammte von der britischen Presse, die den Number 1 Lincoln Machine Prototyp so taufte in Anspielung an den deutschen Kronprinzen Wilhelm.
Technische Daten:
Bezeichnung: | Number 1 Lincoln Machine (Little Willie) |
Land: | Großbritannien |
Länge: | 5,45 Meter |
Breite: | 2,8 Meter |
Höhe: | 2,41 Meter |
Gewicht: | 18,29 Tonnen |
Höchstgeschwindigkeit: | 3,4 km/h |
Panzerung: | 10mm |
Hauptbewaffnung: | 1 x Vickers 2-Pfünder Kanone |
Weitere Waffen: | 4 x Madsen Maschinengewehre |
Antrieb: | Foster-Daimler 6-Zylinder wassergekühlter Benzin Reihenmotor mit 105 PS |
Reichweite: | unbekannt |
Besatzung: | 6 Mann |
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